7. Kasachstan – Reisetagebuch

Kasachstan, ich komme!

Meine Konzentrationsfähigkeit während der Fahrt ist eingeschränkt.

Natürlich könnte ich schlafen, denn die Fahrt ist lang. Aber ich kann nicht. Aus irgendeinem Grund kann ich in Fahrzeugen nicht schlafen. Kilometer für Kilometer quäle ich mich voran.

Kasachstan - Reisetagebuch

Die Landschaft verändert sich.

Es gibt weniger Wälder und mehr offene Flächen. Es sind gelb-braune Steppen mit wenig Vegetation.

Ab und zu, wie aus dem Nichts, taucht ein See auf. Es wirkt wie hingezaubert. Als würde jemand aus Versehen hie und da ein stehendes Gewässer hinwerfen.

Auf dem Wasser ist der starke Wind zu erkennen. Er spielt mit der Wasseroberfläche wie mit einem seidenen Stoff.

Kasachstan - der See

Ich brauche mehr davon.

Mehr Natur und weniger Menschen. Diese Bilder will ich aufsaugen und speichern. Die Natur spricht keine Worte. Sie spricht Bilder. Meine bevorzugte Denkweise. 

Mein aufmerksamer Begleiter fragt mich, ob eine Pause nötig wäre.

Oh, ja, möglichst mit einer Toilette“, sage ich.

Highlight des Tages

Wir finden eine Tankstelle direkt am Wegesrand. Dennis tankt, ich suche die Toilette.

Hier muss eine im Gebäude sein“, erklärt mir mein Fahrer.

Da erlebe ich mein Highlight. Nicht unbedingt im positivsten Sinne. In dem Gebäude der Tankstelle gibt es keine Toilette. Es gibt eine draußen.

Und zwar ein Plumpsklo vom Feinsten. Mit allem Unappetitlichen, was dazu gehört.

Mehr Beschreibung ist an dieser Stelle unangebracht. Schaut euch einfach das Foto an 😉  

Kasachstan - das Klo

Oh, diese Müdigkeit

Der Rest der Fahrt ist wie benebelt, denn ich bin übermüdet.  

Wir sind um 8:30 Uhr losgefahren. Haben 2 Stunden an der russisch-kasachischen Grenze verbracht. Um 16:00 Uhr, nach unendlichen 7,5 Stunden Fahrt haben wir mein Hotel erreicht.

Kasachstan - das Hotel

Dennis verabschiedet sich.  

Mein Körper schreit nach Ruhe. Nach Alleinsein. Ich spüre wie dringend es mir ist. Nichts interessiert mich. Das Zimmer, die Gegend, die Mitarbeiter des Hotels.

Nichts.

Ich würde mich am liebsten irgendwo einschließen. Aber ich kann nicht. Meine früheren Klassenkameraden bereiten ein Abendessen für mich vor und warten, bis ich ihnen eine Nachricht schicke.

Mein Handy ist ausgeschaltet. Ich brauche dringend eine Pause. Eine, in der ich nicht erreichbar bin.

Ich dusche, verpacke die Geschenke und hoffe, dass mein Kopf sich beruhigt. Die Pause ist zu kurz, um etwas zu bewirken. Handy wird eingeschaltet. Es hört gar nicht mehr auf zu piepen, so viele Nachrichten kommen an.

Ab ins Getümmel

Bin da“, schreibe ich. Wie der Zufall es so will, ist die Wohnung von meiner Freundin nur wenige hundert Meter vom Hotel entfernt.

Drei Frauen, die ich noch aus der Schulzeit kenne, sitzen dort und warten auf mich. Zwei von ihnen kommen zu Fuß, um mich abzuholen.

Das Erstaunliche ist die Vertrautheit.

Sie nehmen mich gleich in Beschlag und stellen tausend Fragen. Als ich meinen Mund aufmache, müssen sie lachen.

Ja, ja, mein Russisch war auch mal besser. In den nächsten Tagen werde ich sehr viel zuhören und die Sprechweise der Menschen nachahmen. Ihre Metaphern und Floskeln bleiben für mich unverständlich.

Nicht immer kann ich erkennen, worum es da geht. Ein altes Problem von mir. 

Es ist schon erstaunlich, dass meine Gefühle genau da weiter machen, wo sie vor 19 Jahren aufgehört haben. Es gibt kein Gefühl der Lücke. Es ist wie konserviert. Als wäre ich nie weg gewesen und immer noch 16 Jahre jung.  

Der Abend ist genauso benebelt wie die Fahrt. Wir quatschen, lachen und stellen Fragen. Meine Dauermigräne wird mit jeder Minute unerträglicher.

Ich kann nicht mehr.

Ich muss abbrechen

Um 23:00 Uhr gehe ich zurück ins Hotel. Mit Begleitung.

Dieses Begleiten wird mir in den nächsten Tagen noch oft begegnen.

In meinem Hotelzimmer mache ich alle Fenster und die Balkontür auf.

Ich brauche frische Luft. Lege mich aufs Bett und denke noch: „Paar Minütchen nur.

Noch bevor ich das Kissen erreiche, schlafe ich ein.


Bilder: eigene und Pixabay.com/de

User: Public_Domain_Photography; mimich

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