Worüber machst du dir Sorgen?

In 3 Stunden würde der Wecker klingeln.

Aber ich konnte nicht schlafen.

​​Hört das denn nie auf?, d​achte ich gequält.

Kaum lösten wir bei einem Kind ein Problem, kam schon das nächste Kind. Als hätten sie einen geheimen Betriebsrat, der entscheidet, welche Punkte aktuell auf der Agenda stehen.

​"Meine Damen und Herren, das Kind Nr. 2 hat Bauchschmerzen", sagte der Bevollmächtigte des mittleren Mitarbeiters.

"Nein, nein, wir mit unserer Angst vor knisternden Stoffen waren zuerst dran!", ​behauptete der andere.

"Ja, und was ist mit ​uns? ​Meine Mandantin will jeden Tag Würstchen essen. Und die gibt es seit gestern nicht. Was ist mit unseren Würstchen, hä? Sind die unwichtig oder was? Ab sofort verweigern wir jedes Essen. Würstchen! Würstchen!", schrie der Vertreter des dritten Kindes.

"Meine Damen und Herren, bitte, nicht so laut. Können wir uns mal alle entspannen?", fragte ich ​die Vertreter.

Aber dafür ​war es zu spät.

Die Maschinerie, namens "Sorgen" war im vollen Gange.

Mitten in der Nacht arbeitet sie besonders effizient. Wahrscheinlich, weil da die Energie so billig und leicht zu bekommen ist.

​Was sind Sorgen?

Im Grunde sind Sorgen nur Gedanken, die sich ständig im Kreis drehen. Es kommt dabei keine Lösung heraus. Sie verstärken sich selbst. ​Sie schaukeln sich hoch, man wird angespannter und wiederholt die gleichen Fragen, die ja schon letzte Nacht oder die letzten Wochen keine Antwort geliefert haben. 

Bei mir hört sich das ungefähr so an:

Was soll ich nur machen?

Wie soll ich mich entscheiden?

Was ist, wenn es die falsche Entscheidung ist?

Und was dann?

Was soll ich dann machen?

Und da schließt sich der Kreis. 

Ich wiederhole die gleichen Fragen.

Bekomme aber auch die gleiche Antwort Und diese lautet: Ich weiß es nicht!​

Meine Top Five der Sorgen in Bezug auf Kinder

Dass ich

  • ​falsche Entscheidungen treffe und dadurch den Kindern schade
  • ​nicht ​bemerke, wann ich handeln muss
  • ​für meine Kinder nicht gut genug bin
  • ​kein gutes Vorbild bin
  • ​bei all den Aufgaben als Mensch einfach verschwinde

Haben Sorgen einen Sinn?

Davon bin ich seit Jahrzehnten ausgegangen.

Natürlich haben Sorgen einen Sinn! Ohne Sorgen werde ich keine Entscheidung mehr treffen können. Ohne Sorgen wird mir alles egal sein, dachte ich heute Nacht, als die Uhr 3:04 zeigte.

Da bei mir praktisch alles über den Verstand geht und ich eh nicht schlafen konnte, wollte ich die Beweise für diese Theorie finden.

Sorgen haben ihre Berechtigung. Ok. In Ordnung. Beweise es!

Welches Problem habe ich dadurch gelöst, dass ich es wochenlang herumwälzte und mir tausendfach die gleichen Fragen stellte? 

Beispiele meiner "berechtigten" Sorgen:

​Und zwar als...

  1. ​Bastian im Gymnasium war. Da habe ich mir wirklich schreckliche Sorgen gemacht. Was soll ich tun? Soll er die Schule wechseln? Wenn ja, wohin? Wird es dort besser werden? 
  2. ​Robin (11) wochenlang Bauchschmerzen hatte. Die Kinderärztin zuckte mit den Schultern. Eine Woche lang "untersuchte" man ihn im Krankenhaus. Anführungszeichen, weil das Kind nicht wirklich untersucht, sondern nur beobachtet wurde.
  3. ​Lena mit 5 in die Schule kommen sollte.
  4. ​Mein Vater keine guten Nachrichten vom Arzt brachte.

​Gut, danke für die Beispiele, lieber Kopf.

Und jetzt mal Hand aufs Herz (RW=Redewendung), was davon habe ich durch Sich-Sorgen gelöst? Einfach dadurch, dass ich nachts nicht schlafen konnte und mich mit den Fragen gequält habe?

Also, wenn ich das so betrachte...kein einziges Problem.

1. Unmöglich konnte ich im Voraus wissen, ob die neue Schule besser ​wird als das Gymi. Ich fragte mich nüchtern: Geht es noch schlimmer? Eigentlich nicht. Gut, dann kann es ja nur besser werden. Weg mit dem Gymnasium. 

2. Habe ich alles gemacht, was ​möglich war? Ja. Kann ich noch etwas tun? Vielleicht die Leute fragen, die Kinder mit ​ähnlichen Bauch-Problemen haben. Kenne ich so jemanden? Ja. Und siehe da, ich bekam eine Telefonnummer, einen schnellen Termin, eine Rechung in Höhe von 3 Monatslöhnen und die Lösung: akute Gluten- und Laktoseintoleranz. 

3. Unsere Jüngste hat Ende September Geburtstag. Im Juli 2019 wurde, ganz ohne mein Zutun, ein vorläufiges Gesetz verabschiedet, das besagt, dass Kinder, die bis Ende September geboren sind, keine Musskinder mehr sind. Problem gelöst.

4. Trotz meiner Sorgen ist mein Vater mit 55 Jahren an Herzinfarkt gestorben. 

​Gute Frage

Also nochmal, lieber Kopf, welchen Punkt hätte ich mit noch mehr Sorgen lösen können?

​Habe ich manche Probleme gelöst, weil ich die Sorgen-Schraube noch fester anzog oder weil ich die Sorgen kurz beiseiteließ und mich ganz pragmatisch nach Lösungen umschaute?

​Die Antworten ​waren eindeutig. Sich sorgen lohnte sich nicht.

Es war fast 4 Uhr morgens. Ich s​aß auf meinem Bett und führte in Gedanken dieses Selbstgespräch. Als ich über mich selbst lachen musste, wachte mein Mann auf.

R​ieß die Augen auf, fragte etwas erschrocken: "Warum ​bist du wach?"

Ich musste immer noch lächeln. "​Weil ich nicht schlafen kann", sagte ich.

​"Ach so", sagte er, drehte sich auf die Seite und konnte sich später an nichts erinnern.

Worüber mache ich mir keine Sorgen?

Interessanterweise übers Geld. Na ja, nicht mehr.

Als meine Sorgen darüber unerträglich wurden, setzte ich mich hin und zählte nüchtern durch, welche Summe wir als Familie benötigen würden, falls etwas passierte. Und um den gleichen oder ähnlichen Lebensstandard halten zu können.

Die Summe war zu hoch.

Wäre ich mit weniger noch am Leben? 

Ja, klar. Wir würden dann in eine Wohnung ziehen müssen. Und vielleicht würden die Nachbarn, wie die letzten, laut und unfreundlich sein. Aber es wäre ok.

Und ich hätte mein Leben ohne einen Ferrari verbringen müssen. Aber damit bin ich bisher über die Runden gekommen (RW). 

Gerade so  🙂

Sorgen? Nein, danke!

​Heute früh

Als ich wach wurde, und ich muss wohl irgendwann eingeschlafen sein, wahr ich irgendwie glücklich.

Es gibt nichts, was ich explizit durch Sorgen erreichen kann. Außer, dass ich mir mein Leben zur (schlaflosen) Hölle mache.

Etwas wird sich lösen oder nicht. Nur im entspannten Zustand kann ich etwas verändern.

Liefern meine Fragen keine Antwort? Dann sind es vielleicht die falschen Fragen?!

Es könnte auch sein, dass ich momentan nicht über genügend Informationen zu einem bestimmten Thema verfüge.

Und manche Lösungen habe ich nicht in der Hand. Einfach, weil ich nicht in den Kopf von anderen reinkriechen kann. 

​Sorgen? Nein, danke!

Ohne Sorgen geht es mir gut. Ich kann besser handeln und in jedem Fall besser schlafen 🙂


Was sind deine Top Five der Sorgen?

Bleibe positiv. ​Sei du selbst.

Alles Liebe

Deine Tanja

Bilder: pixabay.com/de User: ​Free-Fotos;Toby_Parsons

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