Über Autismus erzählen – ja, nein, wie viel?

Ende Juni, 2019

Heute war der heißeste Tag des bisherigen Jahres - 37,5 Grad.

Ich sitze auf einem Stuhl mit Gittermuster und die verflixten Stäbe schneiden mir ins Beinfleisch. Denn ich habe eine kurze Hose an.

Es ist knapp 21 Uhr abends und immer noch sehr heiß. Ich schwitze.

Vor mir sitzt meine neue Bekannte, die allen Grund dazu hat, eine tolle Freundin zu werden.
Ich mag sie sehr. Die letzten Tage haben wir so viel gelacht, dass ich am Bauch Muskelkater habe.

"Tanja?", fragt mich Bea. "Kennst du das?"

Wir sitzen in einem Straßencafè. Jeder einzelne Tisch ist besetzt.

Bea hat mir gerade erzählt, dass der Sohn ihres Kollegen ein Autist ist und ob ich das kenne.

Da setzte mein Verstand kurzfristig aus.

Straßencafè

Wie viel über Autismus erzählen?

Wow, dachte ich.


Bisher hielt ich mich für mutig. Zwar manchmal etwas bekloppt (siehe meine Reiseabenteuer), aber doch so sicher, dass ich zum Autismus stehen kann.


Und doch bin jetzt an einem Punkt angelangt, an dem ich weniger über den Autismus erzähle.


Unser Sohn ist 14. Er ist in einer empfindlichen Phase des Sich-selbst-Findens, auch als Pubertät bekannt)))) Da möchte ich nicht zu viel erzählen und ihn womöglich kränken.

Zum anderen habe ich selbst, bis auf meine eigene Vermutung, ja keine Diagnose. Die Ärzte halten mich für [Zitat]: "...merkwürdig. Aber nicht merkwürdig genug, um Autistin zu sein...".

So bleibt mir nicht viel zu berichten.

Ich entschied mich an diesem Abend, in diesem übervollen Straßencafè, nicht zu viel zu erzählen und die Frage mit schlichtem Ja zu beantworten. 

Wenn die Zeit reif ist, werde ich mehr erzählen. Nur eben nicht unter so vielen Zuhörern, dachte ich.   

Die Meinungen der anderen

Wie bei jedem Thema gehen hier die Meinungen weit auseinander. 

Es gibt Eltern, die sind sehr mitteilungsfreudig und erzählen jedem, der es hören will oder nicht, was Autismus ist und was es nicht ist.

Auf dem anderen Ende der Skala gibt es Eltern, die noch nicht so weit sind, und es sogar vor sich selbst verbergen (müssen).

Dazwischen alle anderen.

Ich habe Respekt vor jeder Meinung zum Thema Autismus. Geht es doch um unsere Kinder.

Außerdem war ich 100% schon mal in jeder Phase.

Von "Das kann einfach nicht sein" bis hin zu "Wow, das muss ich jetzt jedem erzählen."

Das Innere zählt

Entscheidend sind für mich folgende Fragen:

  1. Wie gut kenne ich die Person?
  2. Will sie überhaupt so viel von uns wissen?
  3. Oder war das wirklich nur eine Frage?
  4. Was will ich erzählen?

Wenn ich mir diese Fragen ehrlich beantworte, dann ist es einfacher. Dann kann ich immer wieder neu entscheiden, was ich erzählen will.

Heute bin ich vielleicht offener, morgen nicht. Je nach Tagesform.

Bleibe positiv. Sei du selbst.

Alles Liebe

Deine Tanja


Wie stehst du dazu? Erzählst du viel, wenig oder nur ausgewählten Personen über Autismus?
Schreib mir in die Kommentare, auf FacebookInstagram oder privat

Freue mich auf deine Meinung. 


Bilder: eigene und pixabay.com/de User: pixel2013

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