Notsituation – 3 Dinge, die ich tue, wenn ich als Mama keine Kraft mehr habe

Letzte Woche hatte ich ganz schlimme Kopfschmerzen.

5 Tage lang. Ohne Pause. Man nennt diese Schmerzen Migräne.

In dieser Zeit brauche ich sehr viel Ruhe.  

Diese hatte ich nicht.

Der Alltag musste funktionieren.

Meine Jüngste ist 3 und ​spürt schnell, wenn es mir nicht gut geht. Nur weiß sie nicht wie sie es ausdrücken soll.

Sie schimpfte (sanft ausgedrückt) ungefähr 2 Stunden am Stück. Bis sie erschöpft auf meinem Arm eingeschlafen war.  

Als mein Mann dann nach Hause kam, stand ich schon an der Tür. Meine Nerven lagen blank (RW).

Er erfasste die Situation schnell, fragte:

„So schlimm?“

Ich nickte.

„Wann kommst du?“

„In einer oder zwei Stunden“, sagte ich und rauschte raus.

„Alles klar“, hörte ich noch, als ich die Tür hinter mir ins Schloss zog.

Diese Situation kommt nicht sehr oft vor. Aber es gibt sie. Diese Tage, an welchen die Kraft gegen Null läuft (RW).

Das kennen alle Eltern dieser Welt.

Eltern von autistischen und/oder kleinen Kindern sind oft in einem so hohen Maße gefordert, dass ihnen die Kraft dazu fehlt, für sich Hilfe zu holen.

Aber es musste doch einen Ausweg geben!

Eine Möglichkeit, diese Notsituation so ​selten wie möglich zu erleben. 

Wieder Kraft zu tanken.

Was hilft Eltern in Notsituation? 

Diese Frage hat mir die letzten Tage keine Ruhe gegeben. 

Es muss doch etwas geben, das hilft, dachte ich. Und dieses Etwas musste ich finden.

Ich wollte unbedingt eine ultimative Lösung finden. Für all die Mütter und Väter, die an manchen Tagen kurz vor einem tiefen, schwarzen Loch stehen.

In diesem Loch sind kein Licht und keine Kraft vorhanden. Es ist leer. So leer wie die Kraftreserven der Eltern, die gerade in diesem einen Moment nicht mehr weiter können.

Eins ist für alle Eltern gleich: Die belastende Situation müsste unterbrochen werden. Und zwar in dem Moment, in dem der Elternteil spürt, es geht einfach nicht mehr.

Da dies oft nicht möglich ist, kann man nur durchhalten.

Was kommt aber nach dem Durchhalten?

Die Kinder schlafen endlich. Der Overload ist vorbei. Oder der Partner kommt nach Hause.

Was dann?

Meine 3 Dinge, die ich tue, wenn ich keine Kraft mehr habe

Ich warte bis mein Mann nach Hause kommt. Setze mich ins Auto, mach die Musik ganz laut und ich…

#1 singe

#2 weine

#3 schimpfe auf die Welt.

Das mache ich eine oder zwei Stunden lang. So lange, bis ich erschöpft und ganz ruhig bin.

Danach kann ich meinem Alltag wieder begegnen. Ich kann wieder atmen, Kaffee trinken und die Sonne genießen.  

Das war der Knackpunkt. Da hackte es die ganze Zeit.

Ich konnte keine Lösung, keinen Ratschlag für alle Eltern finden, da ich nicht wusste, was dem einzelnen gut tat.

Nicht jeder will/kann am Abend stundenlang mit dem Auto umher fahren. Ich übrigens auch nicht, weil mein Mann so oft im Ausland arbeitet. Es ist dann niemand mehr da, der mich kurz ersetzen könnte.

In diesem Fall verschiebt sich die Autofahrt auf den Vormittag. In dieser Zeit sind die Kinder in der Schule und im Kindergarten.  

Was hilft anderen Eltern, wenn sie Kraft tanken müssen?

Diese Ideen habe ich im Freundeskreis gesammelt:
  • Sport treiben
  • Sauna besuchen
  • Buch lesen
  • Auf einen Sandsack einschlagen
  • Musik machen/hören
  • Schwimmen
  • Mit Freunden sprechen
  • Schokolade essen
  • Fußball spielen
  • Ein Glas Wein trinken  

Für mich habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich mich in einer Notsituation nicht mehr daran erinnern kann, was mir gut tut.

Für diesen Moment habe ich eine kleine Liste ins Handy getippt. Auf dieser Liste stehen all die schönen Sachen, die mir dabei helfen, die Kraftreserven wieder aufzufüllen.

Meine Liste für die Notsituation, um wieder Kraft zu tanken

  • Im Auto umher fahren
  • Musik hören
  • Sport treiben
  • Ins Kino gehen
  • Natur genießen
  • Ski fahren oder Wandern
  • Sich den Stress von der Seele schreiben (RW)

Und wenn es mir wieder besser geht, suche ich das Positive.

Was hat diese Notsituation mir beigebracht? Was könnte ich daraus lernen?

Unser Autist

Wenn Bastian (heute 13) in Overload gerät, dann schaue ich im Rückblick nach den Anzeichen, die ich vorher für zu gering hielt. An welchem Punkt habe ich nicht eingegriffen?

Ich bespreche die Situation mit dem Kind, und erlaube ihm ausdrücklich nach seiner Gesundheit zu schauen.

Auch er soll das nächste Mal sich besser beobachten und rechtzeitig zurückziehen oder mir ein Zeichen geben.

Manchmal will er unbedingt, dass jemand bei uns übernachtet. Das ist seine Art, Freundschaften zu vertiefen.

Aber nach einigen Stunden ist ihm alles zu viel. Er möchte höflich sein und bleibt im Raum. Spricht mit dem Freund. Hört zu. Bis nichts mehr geht und er verstummt.

Das ist der Zeitpunkt, an dem ich den Gast ablenke.

Bastian zieht sich für ein paar Stunden zurück. Danach geht es weiter „nach Programm“. Oder ich rufe gleich die Eltern an und bitte darum, den Gast abzuholen.

Robin

Unser mittlerer Sohn (heute 10) lacht manchmal in einem Moment, und eine Sekunde später weint er bitterlich.

 Auch da frage ich mich, ob es jetzt einen Grund gibt, der von außen kommt oder ob es eine „plötzliche“ Müdigkeit ist.

Meist ist der Tag so voll von Bewegung, dass das Kind übermüdet ist. Dann ist die Welt schrecklich und alle sind gemein zu ihm.

Daraus lerne ich zu differenzieren.

Was ist tatsächlich ein Problem, das gelöst werden muss? Und wann ist es Müdigkeit?

In 99% der Fälle ist es der zweite Grund.

Lena

Wenn meine Kleine (heute 3) stundenlang schimpft, weint, sich auf den Boden wirft und schreit, dann bin ich nicht begeistert.

Ganz ehrlich: Das ermüdet unheimlich.

Aber es hat auch etwas Gutes.

Zum einen weiß ich, dass ich mit der Familienplanung eindeutig fertig bin 🙂 

Zum anderen wird mir immer wieder bewußt, was alle Eltern dieser Erde durchmachen.

Gefühle wie Müdigkeit, Ungeduld, Erschöpfung, Einsamkeit und Bedürfnis nach Ruhe kann ich deutlich spüren und sie bei Gelegenheit abrufen.

Auf gut Deutsch: So schnell vergesse ich nicht, wie es meinen Lesern/innen geht. 

Ich selbst

Wenn mir mein Leben total schwer vorkommt, dann schaue ich, was ich mir an Aufgaben vorgenommen habe. Meist ist die Liste zwar nett gemeint, aber viel zu lang.

Ich tendiere eher dazu, mich zu übernehmen. Da lohnt es sich, die Vorhaben aufzuschreiben und einige zu streichen.

Schwarz auf weiß ist die Liste ganz schön stressig lang.

Meine Umgebung

Wenn mir meine Umgebung (Verwandte, Freunde, Lehrer, Nachbarn, Vereine) zu fordernd vorkommt, dann erinnere ich mich an meine Übung vom letzten Jahr.

Ich will kein Pinguin sein, der vor lauter Nett-Sein draußen erfriert.

Bisher hat es sehr gut funktioniert. 

Notsituation ist Notsituation - kein Spaziergang

Bei all dem Positiven und Guten, das ich nach dem Stress entdecken kann – in der Überforderung geht es mir wirklich, wirklich schlecht.

Und das ist ok so.

Das ist das Leben.

Wenn es dir gerade gut geht, schreibe eine Liste mit den Dingen, die dir gut tun. In der Notsituation wirst du dir für diese Aufzählung dankbar sein.

Ich möchte, dass du weißt: Uns allen geht es mal richtig schlecht.

Aber morgen kommt ein neuer Tag. Eine neue Chance, den Tag, wenn schon nicht zu genießen, dann doch wenigstens unbeschadet zu überstehen.

Auch unsere Kinder werden mal groß. Sie lernen jeden Tag dazu und können heute ganz viele Dinge, die wir noch vor ein paar Jahren für unmöglich gehalten haben.

Höre nicht auf die Pessimisten, die dir einreden wollen, dass dein Kind etwas niemals können wird. Das weiß kein Mensch. Und die Pessimisten am wenigsten.

Was morgen geschieht, wissen wir nicht, und wir können es nicht beeinflussen.

Heute kannst du nach dir schauen. Deine Kraftreserven auffüllen.

Heute kannst du dich darin üben, geduldiger zu  sein.

Und wenn es nicht sofort klappt, auch ok. Du weißt ja nun, dass es mir ganz genau so geht wie dir.

Bleibe positiv. Sei du selbst.

Alles Liebe

Deine Tanja


Bilder: pixabay.com/de

User: Engin_Akyurt        

Click Here to Leave a Comment Below 0 comments

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst Du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen