3. Flughafen Stuttgart – Reisetagebuch

Die letzten Tage vor der Abreise machen mich fertig.

Ich kämpfe mit den Ängsten.

Stress.

Panik.

Das leidige Packen

Ich packe nicht nur für mich, sondern auch für meine 3 Kinder.

Was brauchen sie? Was könnten sie brauchen? Ich fahre mehrmals in die Apotheke. Mittel gegen Fieber, gegen Bauchschmerzen und Durchfall. Mittel gegen Mücken.  

Wundsalbe, Windeln, Schuhe, Klamotten, Decken, Hüte, Sonnenmilch und tausend andere Dinge. Das alles verstopft mir meinen Kopf. Dann ist da noch mein eigener Koffer und die Geschenke für meine früheren Klassenkameraden.

Ich habe jahrelange Erfahrung im Packen. Und doch ist es jedes Mal eine logistische Herausforderung, alles einzupacken und nichts zu vergessen.

Die Fahrt zum Flughafen

Mein Flug geht um 14:20 Uhr. Um 9:00 Uhr morgens bin ich bereits im Knockout und habe Migräne. Ich habe nur 2 Stunden geschlafen. Bin aufgeregt. Die Tabletten helfen nicht. Ich fahre viel zu früh los, um die Anspannung zu reduzieren.

Um Punkt 12:00 Uhr komme ich am gebuchten Parkplatz nahe Stuttgart an. Es ist ein Privatunternehmen mit einer Hochgarage.

Mein Name steht nicht auf der Liste. Wieder rast mein Herz.

Was heißt hier: Nicht auf der Liste?!!“ Ich zeige meine Buchungsnummer. Etwas ist schief gelaufen. Meine Registrierung per Internet ist „untergegangen“.

Suchen Sie sich halt einen Parkplatz, sagt der Parkwächter.

Flughafen Stuttgart Hochgarage

Die Hochgarage hat 10 Etagen. Als ich bei der 9. ankomme und immer noch keinen freien Parkplatz finde, werde ich zum gefühlten tausendsten Mal an diesem Tag panisch. Das Parkhaus ist sehr offen. Ich sehe die überwältigende Höhe an jeder Seite der Parkfläche. Meine Höhenangst ist da keine Hilfe.

Ich fahre „Kriech-Geschwindigkeit“. Mich könnte mühelos ein Kind auf einem Dreirad überholen. Auf der vorletzten Etage finde ich eine Parklücke.

Endlich.

Schweißgebadet parke ich ein. Mit weichen Knien gehe ich die Stufen herunter. Ja, genau, es gibt keinen Fahrstuhl, ich gehe.

Unten, im UG, wartet bereits der Minivan auf mich.

Unterwegs zum Flughafen habe ich nur 2 Sorgen:

  1. Dass das Flugzeug heil ankommt. (Das Wort Absturz möchte ich nicht mal denken)
  2. Dass ich keine Migräne bekomme.

Punkt zwei ist schon mal gestrichen. Bleibt der erste.

Flughafen Stuttgart

Am Stuttgarter Flughafen ist ein großes Kommen und Gehen.

Die Menschen bewegen sich zielstrebig und scheinen alle zu wissen, wohin. Ich weiß nicht, wie Menschen ohne Asperger verreisen.

Sind sie ruhiger oder haben sie die gleichen Fragen?

Mir hat eine leuchtende Linie am Boden gefehlt. Eine Linie, der ich folgen könnte.

Flughafen Reisetagebuch

Was muss ich jetzt tun? Wohin soll ich gehen? Ich stehe mit meinem riesigen, leuchtend grünen Koffer mitten in der Halle und bin ratlos. Sicherlich gucke ich jetzt wie ein großes, verängstigtes Kind. Große, runde Augen und keine Ahnung wohin.

Von unserer letzten Familienreise weiß ich, dass man zuerst den Koffer abgibt. Nur weiß ich nicht mehr wohin. Ich beobachte die Menschen. Es gibt gar nicht so viele Möglichkeiten. Also stelle ich mich hinter die Menschen mit den Koffern und gebe mein Gepäck ab. Anscheinend war das die richtige Entscheidung. Vielleicht gab es auch nur diese Möglichkeit. Ich weiß es nicht so genau.

Nun stehe ich wieder da. Mit meiner kleinen Handtasche und ohne den Koffer, an dem ich mich festhalten kann.

Was jetzt?

In einiger Entfernung sehe ich eine Dame am Pult stehen. Sie sieht kompetent aus. Vielleicht weiß sie mehr. Ich frage sie nach dem Eingang.

Sie lacht. „Sie meinten sicherlich den Check-In?“

„Keine Ahnung. Meinte ich das?“, frage ich ratlos. Sie lacht wieder.

Hier lang und links, bitte“, zeigt sie mir die Richtung und wedelt mit dem linken Arm.

Ich gehe dahin.

Bei dem „Hier lang und links, bitte“ stehen bereits 3 Schlangen. Welche soll ich nehmen? Fliegen sie in unterschiedliche Richtungen? Ich stelle mich in der linken Schlange an. Schließlich schickte mich die Dame nach links. Es stellt sich heraus, dass jede Schlange in der gleichen Halle landet.

Gepäckkontrolle

Das Handgepäck und die Taschen werden kontrolliert und durchleuchtet. Ich habe eine riesige Angst, angehalten zu werden.

Dazu bestehen viele Gründe:

  • Ich benehme mich sehr auffällig
  • Ich bin sehr nervös
  • Meine Süßstofftabletten liegen in der Handtasche. Ich habe Angst, dass sie wie Drogen aussehen. Ich weiß nicht, wie Drogen aussehen. In meiner Vorstellung so wie meine Süßstofftabletten.

Alles läuft gut. Ich werde nicht angehalten. Auch nicht mit einem Spürhund für Drogen beschnüffelt. Und ich werde nicht von einer weiblichen Beamtin abgetastet, wie man das aus Filmen kennt. Ich werde schlicht nicht beachtet und schnell weiter geschickt.

Auf meinem Ticket steht „Gate Nr. 343“. Ich mag die Zahl 3 nicht. Sie ist so unvollkommen.

Aus Angst vor Verspätung gehe ich durch die endgültige Passkontrolle und sitze auf einmal hungrig und durstig in einer kleinen Halle fest.

Mir war nicht klar, dass es hier keine Cafés mehr gibt. Der Hunger macht meine Migräne unerträglich. Ich darf nicht mehr zurück.

In einem Automaten kaufe ich ein überteuertes Wasser und schlucke 2 Tabletten Ibuprofen. Danach lese ich eineinhalb Stunden lang.

Zunächst. 

Dann kommt die Durchsage, dass sich der Flug verspätet. Nochmal 40 Minuten lesen und warten.

Die Wörter "warten" und "ich" sind nicht gerade die besten Freunde, und sollten nicht in einem Satz vorkommen.

Flughafen Stuttgart warten


Bilder: pixabay, eigene

User: JESHOOTS-com      

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