Buchrezension: An der Grenze zur Einmaligkeit von C. Wintermeier

Buchrezension: An der Grenze zur Einmaligkeit von C. Wintermeier

„An der Grenze zur Einmaligkeit: Eine Mutter erzählt von ihrem Sohn mit Asperger-Autismus“

Eine wahre Geschichte.

Handlung

Dieses Buch handelt von einem autistischen Jungen (Marvin), der inzwischen erwachsen ist und an der Universität Duisburg-Essen  Nano-Engineering studiert.

Die Geschichte beginnt mit einer komplizierten Geburt. Der Junge wird in einer Seitenlage mit Hilfe von einer Geburtszange (man will fast sagen, gegen seinen Willen) auf die Welt geholt.

Der Junge entwickelt sich relativ normal. Nur ab und zu macht er sonderbare Sachen, die seine Eltern aber liebevoll annehmen.

„Jedes Kind hat seine besonderen Seiten. Diese müssen nicht negativ sein.“

Die Außenwelt ist da weniger tolerant. Die Mutter wird immer wieder auf eine negative Weise darauf hingewiesen, dass ihr Sohn sich „komisch“ verhält. Das ist der Beginn der Verunsicherung, der schlaflosen Nächte und der Diskrepanz.

Einerseits ist das Kind von Geschehnissen, die den anderen Kindern nichts auszumachen scheinen, restlos überfordert. Das Laufen einer Strecke stellt ein unüberwindbares Problem dar. Immer wieder gibt es Situationen, die nicht erklärbar sind, die dem Alter des Jungen nicht entsprechen. Z.B. das Sprechen in der dritten Person oder die Abneigung gegen alles Neue.

Andererseits ist das Kind sehr begabt, interessiert und lernfähig. Mit dreieinhalb Jahren interessiert sich Marvin für englische Wörter. Er spricht sie richtig nach und kann sie noch Tage später richtig einsetzen bzw. die Gegenstände benennen.

Das sind sehr positive Eigenschaften, die den Eltern immer wieder auffallen.

Die Spezialisten

Bei der Vorsorgeuntersuchung will der Kinderarzt von alldem nichts wissen. Sein abweisendes Verhalten führt dazu, dass der Junge sich nicht angesprochen fühlt und die Mitarbeit verweigert. Der Arzt legt das Verhalten des Kindes als krankhaft und falsch dar. Die Mutter solle bitte dringend das Kind bei einem Spezialisten untersuchen lassen. Die angeordnete Untersuchung bei der Neuropädiatrie verläuft katastrophal. „Das Kind sei an der Grenze zur geistigen Behinderung. Von wegen englische Wörter!“

Für die Mutter bricht die Welt zusammen. Sie ist zutiefst verunsichert. Die Stellen, die Hilfe leisten sollen, bauen unnötigen Druck auf.

Zum Glück gibt es eine Erzieherin an dem Kindergarten ihres Sohnes, die sich mit dem Autismus auskennt. Sie ist auch diejenige, die die Vermutung, Marvin könnte ein Autist sein, zum ersten Mal in den Raum stellt.

Zur gleichen Zeit spitzt sich die Situation im Alltag immer mehr zu. Marvin entwickelt Kontrollzwänge, die die Familie belasten. Auf dem Hof wird er von Gleichaltrigen schikaniert.

Die Nachbarn scheinen nur darauf zu warten, dass die Mutter ihre Nerven verliert. Sie wird beobachtet und still (manchmal auch laut) verurteilt. Die Mutter bricht unter der Belastung zusammen und brüllt in ihrer Hilflosigkeit das Kind an. Selbstzweifel plagen sie: „Warum ist das alles so schwer? Warum? Was mache ich falsch?“

Diagnose

Endlich wird die Diagnose gestellt. Es ist das Asperger-Syndrom. Ganz langsam traut sich die Mutter, aufzuatmen. Das Verhalten des Kindes ist logisch und erklärbar und nicht etwa falsch oder gar krankhaft.

Schule

Das Thema Schule ist wie bei den meisten Familien mit autistischen Kindern negativ besetzt. Aber die Mutter gibt nicht auf. Es gibt immer wieder Menschen, die nicht nur Steine in den Weg legen, sondern helfen. An diese Menschen wendet sich die Mutter intuitiv.

Autorin und Schreibstil

Christine Wintermeier, Jahrgang 1964, arbeitet beruflich mit der Matrix Energie (eine Entspannungsmethode).

Sie ist verheiratet und hat einen Sohn (Marvin – Autist) und eine Tochter (Zoé – Nichtautistin). Zoé kommt am Ende des Buches ebenfalls zu Wort und erzählt über die Zeit mit ihrem autistischen Bruder.

Der Schreibstil der Autorin ist liebevoll, ehrlich, aber etwas zurückhaltend. Ab und zu begegnet uns ein Adjektiv, das die ganzen Abgründe der seelischen Qual beschreibt. Dann wird es wieder sachlich.

Es ist verständlich, dass ein so sensibles Thema bei einem hochfunktionalen Autisten nicht schonungslos dargestellt werden kann. Dies ist nur unter dem Schutz der Anonymität möglich.

Sehr empfehlenswert für alle, die etwas Positives, Aufbauendes und Hilfreiches über autistische Kinder lesen wollen. Die Beispiele des „sonderbaren“ Verhaltens sind gut beschrieben und werden vielen Eltern bekannt vorkommen.

Es gibt Geschichten, die trotz aller Schwierigkeiten gut verlaufen und gut ausgehen. Diese Geschichte ist ein sehr gelungenes Beispiel dafür.

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Taschenbuch: 106 Seiten

Verlag: Becker, Hartmut

Auflage: 2 (1. April 2016)

ISBN-10: 3929480484

ISBN-13: 978-3929480481


Bilder mit freundlicher Genehmigung: Verlag Hartmut Becker

Mehr Bücher findest Du hier.


 

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