Asperger-Autisten in der Schule

Für alle nur ein bisschen Alltag. Für uns auch.

Dieser Artikel darf mit freundlicher Genehmigung des Bundesverbandes autismus Deutschland e.V. aus der Ausgabe Nr.85_Juni 2018 der Zeitschrift "autismus" abgedruckt werden.

Es ist 6:20 Uhr, Montag.

Mein Sohn (12) und ich sind in der Küche.

Der Rest der Familie schläft. Der Sohn will nichts essen.

„Ist alles in Ordnung?“, frage ich mein Kind. Er nickt, sagt, alles sei bestens. Ich weiß, dass er auf Fragen immer das Gleiche antwortet und frage ihn trotzdem.

Mein Handy piept. Eine WatsApp-Nachricht von meinem Sohn, der direkt neben mir sitzt.

Darf ich heute zu Hause bleiben? Ich habe Bauchschmerzen“, steht in der Nachricht. Ich darf jetzt nicht sprechen. Ich muss ihm schreiben. Unser Sohn ist Autist. Er kann sprechen. Kann sich mitteilen. Hilfe holen oder eigene, verwirrende Gefühle äußern, ist etwas ganz anderes.

Kennen Sie das von Ihrem Kind? Kennen Sie die Hilflosigkeit, die einen überfällt, wenn die Lehrkräfte den 1. Teil der Geschichte täglich in der Schule erleben und den 2. nicht (er-)kennen?    

Der Wunsch aller Beteiligten ist gleich. Kind, Eltern und Lehrer wollen ein harmonisches Miteinander und dass das Lernen Spaß macht oder wenigstens nicht krank.

Klingt banal und doch so unerreichbar.  

Klassische Ratschläge für Autisten in der Schule lauten: mehr Zeit in den Klassenarbeiten und ein separater Raum zum Schreiben.

Für mich steht an erster Stelle das Verständnis für und das Wissen über den Autismus.

Was nützt dem Kind der separate Raum, wenn es die Aufgaben nicht versteht?

Z.B.: Rechne aus, schreibe das Ergebnis hin.

Das Kind rechnet aus, schreibt das Ergebnis hin und versteht den Notenabzug nicht.

Dass er/sie den Rechenweg aufschreiben sollte, wusste das Kind nicht. Es stand ja nicht explizit drin. Und schon beginnt die Diskussion mit den Lehrkräften.

Er ist doch so alt. Er sollte das doch können. Er kann doch was sagen!

Ja. Was sagen. Genau das geht nicht.

Was können Eltern in dieser Situation tun?

In Zeiten, in welchen der Begriff „Helikopter-Eltern“ die Zusammenarbeit mit der Schule erschwert, ist es für Eltern von autistischen Kindern besonders schwer, einen Ansprechpartner zu finden.

Ein/e Autismusbeauftragte/r kennt die Problematik und sollte als Vermittler/in dazu geholt werden. Er/sie kann auf eine neutrale Weise den Lehrkräften die Auswirkungen des Autismus bei diesem einzelnen Kind besser verdeutlichen.
Gemeinsam mit den Lehrkräften und der/dem Autismusbeauftragten kann dann nach Lösungen gesucht werden.

Nachteilsausgleiche können (in BW) formlos über Klassenlehrer/in beantragt werden. Auch hier hilft die/der Autismusbeauftragte/r.

Kontaktdaten gibt es beim örtlichen Schulamt.

Je mehr sich eine Schule gegen die Zusammenarbeit mit den Eltern von autistischen Kindern wehrt und diese stets als unerwünschte Einmischung wertet, umso schwieriger wird es für das Kind auf dieser Schule.

Als letzter Schritt bleibt nur der Schulwechsel.     

Für eine erfolgreiche Schullaufbahn braucht das autistische Kind wohlwollende Erwachsene, die dem Kind glauben. Die sich über Autismus informieren wollen.

Und das ist eigentlich das ganze Geheimnis.

So lange das Kind weiß, dass wenigstens eine einzige Person hinter ihm steht, wird es seinen Weg finden. In der Schule wie im Leben.

​Machen wir uns gegenseitig stark, um für unsere Kinder weiterhin stark sein zu können. 


Denn oft sind die Eltern die einzige verlässliche Konstante im Leben eines autistischen Kindes.


Bilder: pixabay.com/de

User: picjumbo_com

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