6. Russland – Reisetagebuch

Von den 3 Stunden, die ich im Hotelbett verbringe, schlafe ich nur ca. zwei.

In meinem sich wiederholenden Traum höre ich den Wecker nicht. Ich verschlafe. Immer wieder wache ich auf und starre auf mein Mobiltelefon mit der Zeitanzeige. Durch die Müdigkeit verstehe ich nicht, was ich sehe.

Um 7:20 Uhr stehe ich genervt auf. Noch bevor der Wecker klingelt.

In Deutschland ist es 3:20 Uhr.

Eine Qual. Meine Migräne ist nach wie vor sehr stark. Bin immer noch sehr, sehr müde.   

Das Zimmer

Jetzt habe ich Zeit, mir das Zimmer genauer anzuschauen.

Russland - Reisetagebuch


Das Bett ist sauber. Die Fensterrahmen sind aus Holz und sehr gewöhnungsbedürftig. Es sind keine gewöhnlichen zwei Rahmen mit Glas, sondern mehrere verschachtelte Kästchen mit Doppelglas. Mein Zimmer ist im 1. Stock.   

Unter der Dusche stehend, versuche ich nicht allzu kritisch um mich zu schauen. Es ist nicht ganz neu und nicht ganz sauber. Aber für eine Nacht völlig ausreichend. Die Bettwäsche ist frisch und knistert angenehm. 

Frühstück

Ich gehe runter an die Rezeption und frage nach dem Frühstück.

Setzen Sie sich. Das Frühstück kommt sofort“, sagt die Dame, die so herrlich wenig spricht. Sie zeigt mir die Richtung, in der mein „Restaurant“ zu finden ist.

Viele Tische stehen im Raum. Auf jedem Tisch ist ein lakenartiges, sauberes Tischtuch zu finden.

Ich bin der einzige Gast.

Vergeblich suche ich nach dem Büffet. Es gibt nämlich keins.

Eine grell geschminkte Frau kommt aus der Küchentür. Sie wirft das Kaugummi im Mund hin und her und fragt laut, was ich will.

Frühstück?“, sage ich. Es klingt eher wie eine Frage, denn als eine Aussage. Solche auffälligen, lauten Menschen schüchtern mich ein.

Kaffee oder Tee?“, fragt mich die Übergewichtige.

Kaffee“, sage ich und füge noch schnell ein „bitte“ hinzu.

Man weiß ja nie.

Sie brüllt meine Bestellung in die offene Tür. Warum das, verstehe ich nicht ganz, denn wenige Sekunden später geht sie durch eben diese Tür hindurch.

Warten

Ich sitze gute 20 Minuten, ohne, dass etwas passiert.

Dann kommen sie. Die grelle Dame und mein Frühstück.

Alles kommt in Etappen. Zuerst bringt sie mir den Kaffee. Mit 2 Zuckerwürfel. Diese lasse ich liegen und nehme meinen Zuckerersatz. Habe ich den doch nicht umsonst durch die Kontrolle gezittert.

Dann kommt ein Kinderbrei aus gekochtem Reis. Sehr süß und sehr heiß.

Der nächste Schritt ist ein Joghurt. Dann kommen noch eine Orange und eine Schale mit Weißbrot.

Alles Kohlenhydrate.

Ich habe seit zwei Tagen nicht richtig geschlafen, nicht richtig gegessen und habe Tonnen von Adrenalin in meinem Körper. Wenn ich in diesem Zustand noch Kohlenhydrate esse, wird mein Körper Unmengen an Insulin ausschütten. Der Blutzucker stürzt dann ab. Dann kommt noch mehr Adrenalin, um den Blutzucker zu stabilisieren. Ein gut bekannter Teufelskreis. Und das macht meine Migräne, die immer noch stark ist, noch unerträglicher.

Die Eier kommen!

Als ich bereits losflennen will, erlöst mich die Dame mit zwei Spiegeleiern und Speck.

Glück gehabt.

Die Eier schmecken gut, der Speck ist himmlisch.

Mein Frühstück ist fertig gegessen. Ich will ein paar Fotos draußen schießen. Plötzlich piept mein Handy.

Es ist 8:20 Uhr.

Bisschen zu früh

Eine Nachricht von meiner Begleitung: „Bin vor dem Hotel“. Eigentlich haben wir 9:00 Uhr ausgemacht. Bei Unpünktlichkeit werde ich immer sehr ungemütlich.

Aber ich darf das heute nicht zeigen, denn der Mann ist extra für mich sehr weit gefahren. Es ist Samstag. Er könnte jetzt noch schlafen. Also dankbar sein und Mund halten. 

Wir verstauen meinen Koffer im Auto und es geht gleich los.

Meine Augen sind noch auf die deutsche Landschaft eingestellt. Ich komme gar nicht aus dem Staunen heraus. Die Straßen sind holprig, haben teilweise sehr große Löcher in der Fahrbahn.

Für die Fußgänger gibt es keine Gehwege. Nur Schotter oder Wiese.

Eintönigkeit und Schönheit wechseln sich ab

Wir fahren an mehreren heruntergekommenen, metallverarbeitenden Fabriken vorbei.

Genannt „Sawod“. Sie verleihen der Stadt einen maskulinen, robusten, aber auch ungemütlichen Touch. Mir kommt die Stadt unnahbar vor.

Unsere Fahrt führt uns an wunderschönen, klischeehaften Birkenwäldern vorbei.

Russland - Birkenwald

Russische Grenze

Nach 2 Stunden erreichen wir die russisch-kasachische Grenze. 

Wir steigen aus. Starker Wind weht mir die Haare ins müde Gesicht. Ich ziehe meinen leichten Mantel stärker um mich.

Mein Begleiter und ich gehen zu einem unscheinbaren Gebäude. Dort werden die Pässe kontrolliert.

Alles gut. Wir dürfen weiter.

Bis hierher fühle ich mich sicher. Mein Begleiter kennt sich aus. Wir fahren einige wenige Meter weiter und reihen uns in die lange Autoschlange ein.

Eigentlich gibt es 2 Schlangen. Rechts die LKW`s, links nur PKW`s. Die LKW-Fahrer sehen müde aus. Ihre Schlange ist unendlich lang. Sie werden häppchenweise durchgelassen. Dann stehen sie wieder gelangweilt da.

Unsere Schranke ist ebenfalls zu. Es geht nicht voran.

Dann, endlich, werden 5 Autos durchgelassen. Wir fahren vor, halten in einer Art Bucht an und müssen aussteigen.

Wieder müssen wir uns in die Schlange einreihen. Wobei der Fahrer des Fahrzeuges als erster und unbedingt in der gleichen Schlange stehen muss.

Es ist voll und nur zwei von fünf möglichen Beamten arbeiten. „Es ist Samstag. Heute haben die meisten frei“, erklärt Dennis. Dass genau an diesem Tag, sehr viele Menschen die Grenze passieren wollen, und es deshalb zu Stau kommt, interessiert hier anscheinend keinen.

Wir haben etwas vergessen

Mein Begleiter ist endlich dran, zeigt seinen Pass und wirkt auf einmal nervös. Er bespricht etwas mit dem Beamten. Dieser zeigt anteilslos auf einen Tisch.

Was ist?“, frage ich. 

Wir haben ein Formular nicht dabei“, erklärt Dennis, ohne es verständlich zu machen.

Und wo gibt es so ein Formular?“, will ich von ihm wissen und laufe ihm hinterher.

An der russischen Grenze“, sagt er.

Och, nee. Müssen wir jetzt den ganzen Weg zurück laufen?

Ja. Wir müssen.

Russland Grenze

Hinter unserem Auto hat sich eine kleine, aber ungeduldige Autoschlange gebildet. Zwischen zwei Grenzen hält uns ein junger Beamter an.

Mein Begleiter fragt nach dem Formular. Wir sind ganz sicher nicht die einzigen, vergesslichen Besucher. Denn der Beamte hat einen ganzen Stapel von diesen Zetteln. In Eilschritt laufen wir zurück zu dem kasachischen Kontrollgebäude.

Dort auf dem Tisch liegt ein Muster für das Ausfüllen. Deswegen zeigte der Beamte ständig auf den Tisch.

Scheine ausfüllen

Wir füllen den handtellergroßen Zettel aus. Es ist eine Art Registrierschein.

Name, Ziel und Dauer der Reise werden abgefragt. Ich versuche meinen Namen mit kyrillischen Buchstaben hinzukritzeln. Die ersten Buchstaben sind krakelig, aber es geht, dann verlässt mich plötzlich die Konzentration und die letzten Buchstaben schreibe ich auf Deutsch.

Wieder Schlange stehen. Wieder warten.

Draußen entschuldigt sich mein neuer Freund bei den Wartenden und bei dem Beamten, der sich um Ruhe sorgt.

Zum ersten Mal an dieser Grenze“, erklärt mein Begleiter dem Beamten.

Ganze 2 Stunden hat uns die Grenzgeschichte gekostet.

Endlich dürfen wir weiter fahren. Und zwar schnell.

Hinter uns werden die Fahrer etwas ungeduldig.

Wenige Meter weiter passieren wir die endgültige Grenze.

Wir sind in Kasachstan.  


Bilder: eigene und pixabay.com/de

User: kaboompics

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