40 Dinge, die Eltern von Autisten nicht mehr tun sollten

Es war einmal ein Märchen.

Dieses Märchen handelte von den liebevollen Eltern eines wunderbaren autistischen Kindes.

Die Eltern glaubten daran, dass wenn sie sich nur lange genug aufregen und an dem Kind herum probieren würden, dann würde es schon werden…

Sie wussten nur nicht, was genau dann „schon werden würde“.

Besser?

Anders?

Weniger autistisch?

Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich selbst an dieses Märchen glaube.

Aber das ist nicht liebevoll.

Liebevoll ist: Ich nehme das Kind so wie es ist. 

Es gibt 40 Dinge, die Eltern von Autisten nicht mehr tun sollten

1) Hör auf, aus deinem Kind etwas anderes machen zu wollen

Dein Kind ist so wie es ist. Und es ist ein tolles Kind.

Es kann sich verbessern, glücklicher werden, ja.

Sich von Grund auf verändern? Nein.

2) Rede nicht in Rätseln

Dein Kind kann nicht zwischen den Zeilen lesen.

Sei klar. Rede klar.

Nenne die Dinge bei ihrem Namen.

Es sei denn, du bist im TV-Spiel „Familien-Duell“.

Wenn ja, dann lass mich das bitte wissen. Denn das Spiel gibt es nicht mehr. Ich würde gern wissen, wo du da gelandet bist.  

3) Hör auf, dich für deine Fehler so hart zu bestrafen

Es ist passiert. Du warst laut. Unfair.

Das ist schlimm.

Weißt du aber, was noch schlimmer ist?

Wenn ein Problem nicht gleich geklärt, sondern unterschwellig immer da ist.

Entschuldige dich. Nimm dein Kind in den Arm. Und lebe dann weiter.

Hier verrate ich, wie du dein schlechtes Gewissen wieder lieben lernst.

4) Lebe nicht wie dein Nachbar

 Dein Leben mit deinem besonderen Kind ist einzigartig.

Genau wie das Leben deines Nachbarn.

Und wenn bei deinem Nachbarn alles toll aussieht, glaub ihm nicht.

Seine Kinder sind vielleicht frech oder pinkeln neben das Klo.

Sein Hund zerbeißt ihm die teuren Schuhe. Sein Auto ist nur geleast und den Doktortitel hat er auf dem Schwarzmarkt gekauft.

Lebe für dich. Und zwar so wie es dir und deiner Familie passt.

5) Überschätze nicht den Tag

An einem einzigen Tag kannst du ein einziges Problem in Angriff nehmen.

Nur eins.

Wenn dein Kind überfordert ist, gar keins.

6) Unterschätze nicht das Leben

Große Taten passieren nicht einfach so über Nacht.

Sie bestehen aus vielen, kleinen Minitaten.

Fange klein an. Mache den ersten Schritt.

Heute.

7) Hör auf, dich über morgen zu sorgen

„Ich hatte mein ganzes Leben viele Probleme und Sorgen. Die meisten von ihnen sind aber niemals eingetreten.“ Mark Twain (1835 – 1910)

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Es kommt immer anders als du denkst.

Besser.

8) Handle nicht nur mit dem Verstand

Handle mit dem Herzen.

Spürst du, dass es deinem Kind nicht gut tut, obwohl es alle für richtig halten?

Dann lass es.

Schütze dein Kind und schick die anderen zum Henker (RW).

9) Bitte, keine Angeberei

Dein Kind kann etwas, was andere Asperger-Kinder nicht können?

Super.

Schreib es dir nicht auf die Fahne (RW).

Hilf denen, die es erreichen wollen, aber noch nicht können.

Und sei es nur ​in Gedanken.

10) Vergeude deine Stimme nicht

Wenn du sprechen oder schreiben kannst, dann nutze dieses Geschenk.

Nutze es für die, die für sich selbst nicht sprechen können.

Sie haben viel zu erzählen. Sie brauchen nur eine Stimme.

Vielleicht ist es deine.

11) Lass die Finger von fragwürdigen Therapien

Wenn dein Kind die Therapie hasst, dann höre auf das Kind. Nicht jede Therapie ist nützlich.

Dein Kind spürt es am besten.

12) Hör auf zu erklären

Manche Kunden muss man dumm gehen lassen“, sagte eine bekannte Kassiererin von mir.

Soll heißen, nicht jeder hat das Zeug zum Verstehen, was Autismus ist.

Und noch weniger, was es nicht ist.

13) Hör auf, es allen recht machen zu wollen

Willst du, dass dich alle Menschen lieben, musst du lernen, dich zu verstellen.

Und doch werden sie nicht dich lieben, sondern dein Schauspiel.

Lass die Leute reden. Achte nur auf das, was dir und deinem Kind gut tut.

Alles andere ist unwichtig.

14) Glaube nicht an Perfektion

Es gibt nicht den richtigen Weg für alle autistischen Kinder.

Es gibt den einen Weg für dein autistisches Kind.

Dieser Weg ist vielleicht nicht gerade, aber einzigartig.

Suche danach.

15) Stelle dein Kind nicht auf ein Podest

Dort ist es einsam, windig und kalt.

Nimm das Kind herunter.

Behandle es wie ein ganz normales, tolles Kind mit liebenswürdigen Eigenheiten.

Glaub dem Kind, wenn es sagt, dass etwas nicht klappt. Vertraue deinem Kind.

Einfach so. Weil es geht.

​16) Gib nicht auf, wenn dir etwas wirklich wichtig ist

Eltern sind auch nur Menschen, die ihre Werte und Vorstellungen haben.

Solange diese Werte deinem Kind nicht schaden, kannst du um die Umsetzung kämpfen.

Wie, zeige ich hier: „Aber wenn es mir doch wichtig ist!“

17) Ärgere dich nicht über Absprache der Diagnose von der Verwandtschaft

In (fast) jeder Sache steckt ein positiver Kern.

Sehen die „Leute“ keinen Autismus in deinem Kind?

Na, wunderbar.

Offenbar macht ihr als Familie bzw. als Team es so gut, dass dein Kind sehr zufrieden aussieht.

Zufriedene, ausgeglichene und glückliche Kinder sind doch unser Ziel.

Und wenn du doch was erklären willst, kehre zum Punkt Nr. 12 zurück.

18) Nimm es nicht zu Herzen

Hast du schon mal eine Zahnwurzelbehandlung gehabt?

Warst du da freundlich?

Wahrscheinlich wolltest du dem Arzt am liebsten vors Schienbein treten.

Schließlich stand er dir am nächsten und tat dir weh.

So ungefähr geht es deinem Kind bei einem Overload oder Meltdown.

Sei da. Höre zu. Und lass das Gehörte schließlich fallen.

19) Nutze nicht alle Fördermaßnahmen dieser Welt

Nicht alles, was auf dem Fördermarkt angeboten wird, nützt deinem Kind.

Schon gar nicht, wenn es 18mal pro Woche geschieht.

Lass dein Kind auch mal Kind sein.

Mit Langeweile und Zeit zum Erholen.

20) Bitte, mach nicht alles selbst

Dein Kind braucht Eltern die ruhig und ausgeglichen sind.

Jede vertrauensvolle Beziehung zu einem anderen Menschen ist ein Gewinn für dein Kind.

Du bist und bleibst unersetzlich.

Nur bitte nicht pausenlos. Es ist ok, wenn du Pause machst und etwas machst, was nichts mit den Problemen des Kindes zu tun hat.

Danach bist du sogar entspannter und es macht dem Kind mehr Spaß, dich herauszufordern (Achtung Ironie).

Hier meine 3 Dinge, die ich tue, wenn ich als Mama keine Kraft mehr habe

21) Rede nicht nur über Probleme

Das Leben in schweren Phasen ist so auf die Probleme beengt, dass du nur noch davon redest.

Aber vom Reden werden sie nicht kleiner.

Lass sie ruhen. Höre den anderen Menschen zu.

Lache. Tanze. Lese.

Das Leben geht weiter und die Probleme legen sich wieder.

22) Erwarte keine Wunder über Nacht

„Ich habe auch ein Asperger-Kind. Und meiner kann das, das und das. Habe ja auch hart dafür gearbeitet.“

Kennst du diesen Satz?

Autisten machen keine Fortschritte durch den harten Einsatz ​ihrer Eltern oder richtige Therapien.

Eine Fähigkeit oder Fertigkeit wird nicht durch Drill erworben.

Nur durch Liebe, bedingungslose Annahme und viiiiel Geduld wird dein Kind zu einem glücklichen Erwachsenen.

Mehr wollen wir nicht.

23) Kehre nicht vor fremden Türen

Deine Nachbarin „zwingt“ ihre Asperger-Tochter mit ihren Geschwistern zu spielen? Geht ja gar nicht!

Besteht der Vater eines autistischen Kindes auf der täglichen Dusche, obwohl der Junge das Wasser nicht mag? Unerhört!

Bevor du andere verurteilst, denke an die Zeit, als du über Autismus noch nicht so viel wusstest wie heute.

Wir alle machen Fehler.

Und morgen sind wir alle klüger als gestern.

24) Hör auf, auf andere zu hören

Was wissen sie schon von dir, deinem Leben und deinen Wünschen?

​Nichts.

Höre auf dich. Mach das, was du für richtig hältst.

Suche dir einen einzigen Menschen aus, der an dich glaubt.

Das genügt.

​Und wenn dieser Mensch du selbst bist, ist es völlig ausreichend.

25) Erzwinge nicht mit Gewalt eine Entscheidung

Eine Entscheidung hängt nicht von den Umständen, sondern von deiner inneren Einstellung ab.

Mit anderen Worten: Der Leidensdruck muss höher sein, als der Wunsch nach Gleichheit.

Wie du eine Entscheidung treffen kannst, auch wenn du dafür nicht bereit bist, erkläre ich hier.

26) Warte nicht, bis alles zusammen bricht

In diesem Interview erklärt Dipl.-Psychologin Yvonne Fock-Weeber was eine Überlastungsdepression ist und wie es dazu kommt.

In den Momenten, in welchen deine Kraft gegen Null läuft, bist du keine Hilfe mehr für dein Kind. Du brauchst selbst Hilfe.

Nehme dich ernst. Nehme Hilfe in Anspruch.

Handle rechtzeitig. Bevor alles zusammen bricht.

27) Hab` keine Angst vor Fehlern

Als du Schreiben gelernt hast, klappte es auch nicht auf Anhieb.

Warum sollte es bei der Erziehung anders sein? Fehler gehören zum Lernen.

​28) Löse die Probleme nicht vor ihrem Auftreten 

Durch das Leben mit einem kleinen Autisten bist du feinfühliger geworden.

Du versuchst schon im Voraus, alle möglichen Probleme zu lösen.

Warum das nicht funktioniert, zeige ich an dem Stressthema „Urlaub“ in diesem Artikel.

29) Sei kein Scheuklappenträger

Du bist kein Pferd und musst dich nicht auf den schmalen Weg vor dir konzentrieren.

Es brennt nicht. Und es sind auch keine Wölfe hinter dir her.

Schaue dich um. Das Leben ist schön. Es besteht nicht nur aus dem, was nicht klappt.

30) Glaub nicht alles, was dein Kopf denkt

„Mein Kind wird nie alleine duschen können.“

„Sie wird nie studieren können.“

„Er wird noch mit 40 bei uns leben.“

Weißt du das alles wirklich, wirklich sicher?

Und wenn die oberen Sätze mal wahr werden, dann schaust du weiter.

Aber erst dann.

Vielleicht bist du damit sogar sehr zufrieden. Wer weiß?

31) Sei keine Suchmaschine

Du musst nicht alles wissen, was zum Thema Autismus im Netz angeboten wird.

Zu deinem besonderen Kind gibt es da keine Informationen.

Diese findest du im Leben mit dem Kind selbst. Und das auch nur im Rückblick.

32) Gehe nicht davon aus, dass dein Kind Snowboarden kann, nur weil es Ski fährt

Bei Autisten funktioniert eine Tätigkeit oft nur allein und für sich.

Wenn dein Kind sich alle Geburtstage merken kann, heißt es nicht automatisch, dass es im Fach Geschichte sehr gut sein wird. 

Hier erkläre ich genau, ​was das Skifahren mit dem Schulalltag zu tun hat.

33) Hör auf, eine ausgebildete Therapeutin sein zu wollen

Du hast es nicht gelernt. Du hast kein Studium dazu absolviert.

Und wenn doch, bist du gefühlsmäßig zu sehr involviert, als dass du nüchterne und nur logische Entscheidungen treffen könntest.

Kurz: Du bist du – eine Mama (oder ein Papa).

Es gibt Sätze, die hast du oft genug gehört. Meistens sind sie nicht liebevoll.

Hier nenne ich Sätze, die Eltern von Autisten wirklich hören wollen.

Hol sie dir und fühle dich ein bisschen leichter.

34) Verliere nicht den Humor

Die meisten Situationen, die wir mit unseren Kindern erleben, sind im ersten Moment nicht komisch.

Aber dein Humor kann eine potenziell explosive Situation innerhalb von Sekunden entschärfen.

Hier einige Beispiele.   

​35) Vergiss die Sätze, die mit „Ich in deinem Alter…“ anfangen

Glaub mir, dein Kind hasst diese Sätze.

Sie sind nicht hilfreich und blöd.

Außerdem kann dein Kind ganz sicher viele Sachen jetzt, die du mit deinen 30, 40 oder 50 Jahren niemals können wirst 😉

​36) Werde nicht respektlos

Deine Kraft ist kein Gummiband und dein Kind ist kein Erwachsener.

Respektiere es. Respektiere dich und dein Kind.

Entschuldige dich beim Kind und bei dir selbst, wenn etwas schief gelaufen ist.

Danach geht das Leben weiter.

37) Wende keine banalen Erziehungstipps an

Diese können nicht funktionieren. Einfach weil es banale Tipps sind.

Du hast ein besonderes Kind. Dieses Kind braucht besondere Herangehensweise, keine banale.

Was ich damit meine, erkläre ich hier „Asperger-Kinder-Erziehung und ihre Grenzen“.

38) Verlange nichts, was du selbst nicht geben kannst

Du willst, dass dein Kind von einem Thema nicht so gestresst ist?

Dass es aufhört, sich aufzuregen?

Dass es ruhiger wird?

Dann kannst du nur bei dir selbst anfangen.

​Stress dich nicht wegen ​den gleichen Themen.

Rege dich nicht mehr auf, weil etwas nicht auf Anhieb funktioniert.

​Werde ruhiger. 

Sei ein Vorbild.

39)  Glaub nicht alles, was dir verpsrochen wird

Ich muss dich enttäuschen.

​Es gibt keinen Punkt 40) 

Wie so oft im Leben, bekommen wir nicht immer das, was uns versprochen wurde. 

​Und dies ist eine gute Nachricht: 

Auch die negativen Versprechungen müssen nicht wahr werden.


​"Ich möchte glücklich sein, um glücklich machen zu können." Christian Morgenstern (1871-1914)

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Ich wünsche mir glückliche Familien mit glücklichen Kindern.

Dass unsere Kinder entspannter und mit mehr Respekt durch ihr ungewöhnliches Leben gehen können.

Ich wünsche mir mehr Toleranz dem Andersartigen gegenüber.

Denn wären alle Menschen gleich, wäre es langweilig auf dieser Erde.

Und wer will schon ein langweiliges Leben?

Bleibe positiv. Sei du selbst.

Alles Liebe

Deine Tanja

P.S.

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat oder du Eltern von Autisten kennst, denen diese Zeilen helfen könnten, dann teile es.

Ich würde mich sehr freuen.


Bilder: pixabay.com/de

User: knerri61

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