2. Plan B – Reisetagebuch

Mai 2017

Wenn mein Mann geschäftlich verreist, und das mehrmals im Monat, dann packt er meistens einige Stunden vor dem Abflug seine Sachen zusammen. Er macht sich auch keine Pläne für die Reise. 

„Wird schon irgendwie“- lautet seine Devise und er lebt damit sehr entspannt.

Wenn ich verreise, gleicht das einer Planung von der Eröffnung der olympischen Winterspiele.

Ich mache mir einen Plan. Und noch einen. Was mache ich zuerst, was kommt als Nächstes? Was danach? Es gibt kein „wird schon irgendwie“ bei mir.

Plan A

Mein Plan sieht vor, dass ich zuerst zu meiner Freundin nach Russland fliege. Sie wird mich am Flughafen abholen und alles regeln.

Nach 2 Tagen fahren wir gemeinsam mit einem Bus nach Kasachstan. Dort buche ich ein Hotel.

Nach weiteren 4 Tagen fahren wir gemeinsam nach Russland zurück und sie bringt mich zum Flughafen.

Klingt gut. Ausgezeichnet.

Die Umsetzung des Plans

Die Tickets kommen.

Es wird ernst.

Ich kann nicht mehr so tun, als ob nichts wäre. Wochenlang gehe ich im Kopf den Plan durch.

Ich buche ein Hotel in der Stadt, in der ich geboren bin. Alle Menschen dort vor Ort sind über meine Pläne informiert und erwarten mich.

Der Schock

Dann, zwei Wochen vor dem Abflug, kommt der Schock. Meine Freundin, die mich am Flughafen in unbekanntem Russland abholen sollte, soll ins Krankenhaus.

Eine ernste OP steht ihr bevor.

Panik.

Ich spüre nur Panik.

Ich beruhige die Freundin und tue so, als wäre alles in Ordnung.

Sie macht sich sorgen um die OP. Sie macht sich sorgen, wie ich jetzt alleine zurechtkomme.

Alles gut, schreibe ich ihr per WatsApp. Aber innerlich bin ich aufgelöst.

Was mache ich jetzt? 

Ich komme mitten in der Nacht in einer mir unbekannten Stadt, in einem mir unbekannten Land an. Und es ist niemand da, der mich abholt. Wieder kämpfe ich 2 Tage lang mit meinen Gefühlen.

Soll ich das Ganze absagen? Soll ich zu Haus bleiben und Bücher lesen? Warum geht immer etwas schief?

Plan B muss her

Im Reisebüro sagt man mir, ich bekäme nur 100,-€ erstattet. Bezahlt habe ich das Sechsfache. Das kommt nicht in Frage. Als ich mich beruhige, überlege ich, was ich tun kann.

In der russischen Stadt (Tscheljabinsk) buche ich ein Hotel direkt neben dem Flughafen.

Erste Nacht ist versorgt. 

Weiter nach Plan B.

Zum Glück hat mein Mann in der ganzen Welt Kunden und Geschäftspartner. Er telefoniert herum und organisiert eine Begleitung. Dieser Mann bringt mich nach Kasachstan.

Dort buche ich für 5 Nächte ebenfalls ein Hotel.

Am vorletzten Tag meiner Reise möchte ich meine kranke Freundin (die mit der OP) besuchen und von ihr mit dem Taxi zum Flughafen fahren.

Plan B ist da.

So mache ich das.

Meine Gefühle brauchen immer einen Plan A. Auch möglichst einen Plan B und einen Plan C. Dann kann ich einigermaßen ruhig schlafen.

2. Plan B

Das Hotel

Vor der Abreise schaue ich mir die Hotelfotos an. Scheint gut zu sein. Erst im Jahre 2016 eröffnet. Die Rezensionen sind gut.

Ich rechne fest damit, mit dem Hotelbesuch, viele Menschen zu beleidigen.

Die Menschen dort, in meinem Geburtsland, empfinden das als kränkend, wenn man nicht bei ihnen übernachtet.

Aber ich kenne mich und meine Sinne. Ich werde die Auszeiten brauchen, wenn mir alles zu viel wird. Also rechne ich einfach damit, dass ich jemanden kränken werde und nehme es einfach hin.

Die Buchung fürs Hotel bleibt bestehen.


Bilder: pixabay

User: sciencefreak, 742680

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