1. Verrückte Idee – Reisetagebuch

Februar 2017.

Wie jeden Frühling will mein Mann mit unseren Kindern in den Pfingstferien einen Papa-Urlaub machen. 

Die Konstellation ist jedes Jahr eine andere. Mal sind es 7 Väter mit ihren Kindern, mal nur 3.

Der harte Kern aus meinem Mann und seinen Brüdern ist immer der gleiche.  

Und noch etwas ist immer gleich: Mamas sind streng verboten. Nur Väter und ihre Kinder sind erlaubt.

Seit 10 Jahren fahren sie für 2-4 Tage zelten. Die Kinder freuen sich auf diese Auszeit.

Denn das geht nur mit Papa:

Sie dürfen mit dreckigen Schuhen ins Zelt. Die bekannte Schokoladenpaste (fängt mit Nu... an) darf praktisch den ganzen Tag gegessen werden. Das Duschen wird komplett auf zu Hause verschoben und das T-Shirt nicht mehr umgezogen. Tagelang.

Also ein rundum glückliches Kinderparadies.

Dieses Jahr ans Meer

Dieses Jahr planen sie etwas Ungewöhnliches. Sie wollen ans Meer. Und das gleich für 8 Tage. Mein Mann fragt mich, was ich in dieser Zeit machen wolle.

Ja, was eigentlich? Was will ich?

Diese Frage stelle ich mir nur selten. Erst recht, seit wir 3 Kinder haben.

Ich überlege kurz und sage mehr aus Spaß, denn aus Ernst, dass ich in die alte Heimat fliegen würde. Mein Mann blickt nicht mal auf. Sagt nur kurz ok und macht mit seiner Sache weiter. Ich frage noch mal nach, ob er das ernst meint.

Ja, klar, ist seine Antwort.

Die nächsten 2 Tage kann ich nicht schlafen. Ich bin überfordert. Einerseits will ich nach 19 Jahren endlich hin. Andererseits habe ich Angst. Denn ich müsste alleine fliegen.

Alleine!

Nach weiteren 2 Tagen kann ich endlich stundenweise schlafen. Ich verbiete mir jeden Gedanken an die Reise. Sie macht mir Angst.

Annäherungsversuche 

Nach und nach erlaube ich mir einige Sekunden lang, daran zu denken. Die Idee gefällt mir. Macht mich aber nach wie vor panisch.

In dieser Situation mache ich das, was ich immer mache, wenn mich etwas reizt und zugleich ängstigt. Ich handle blind und erzähle möglichst vielen Menschen von meiner Idee.

Danach einen Rückzieher zu machen ist für mich beinahe unmöglich. Denn es ist besser, zu handeln und dabei vor Angst zu zittern, als all diesen Menschen mit Worten zu erklären, warum ich die Sache abblase.

Tickets!

Anfang März ist es soweit. Ich bestelle die Tickets. Wieder wälze ich mich schlaflos in meinem Bett. Aber es gibt (fast) kein Zurück mehr.

Anfang Juni 2017 fliege ich also zuerst nach Russland und fahre dann von dort mit Bus nach Kasachstan.

Ich bin knapp 35 Jahre alt. Lebe seit meinem 16. Lebensjahr in Deutschland. Habe also die ersten 16 Jahre meines Lebens woanders gelebt, in Kasachstan.

Zurück zu meiner Idee.

Ich habe die Tickets bestellt und das Visum beantragt.

Jetzt kann ich nur noch warten.


Bilder: pixabay  

User: pexels

Click Here to Leave a Comment Below 0 comments

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst Du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen